Zuzsa strickt ein Tuch …

Dieses Jahr dachte ich mir – schlaues Eichhörnchen, das ich bin – widme ich meinen Sommerurlaub schon den Herbststrickprojekten. Normalerweise läuft es reflexartig ja eher so: es ist kalt, ich fange an dicke Sachen zu stricken, es ist warm, wenn ich fertig bin … nunja, geht euch wahrscheinlich ähnlich!? 😉

Auf meiner Strickliste stehen dieses Jahr …

Eine kurze, dicke Jacke aus den Modischen Maschen 2/1968 für die ich Drops Alaska aus meinem Vorrat hervorgekramt habe und für die ich mich ins Patentstricken stürze. Auf den ersten Blick liest sich das erstmal etwas verwirrend, aber ich werde mich da schon einfuchsen. Ich plane die Jacke als Übergangsjacke für kältere, aber trockene Herbstage. Das Original ist übrigens in Lila gestrickt, da liege ich mit Bordeauxrot nicht ganz so weit weg, obwohl ich die Jacke vor meinem inneren Auge immer in curry sehe!?!

Das zweite größere Projekt ist ein Tuch. Bisher habe ich alle Tücher (bis auf eines), die ich angefangen habe, wieder aufgeräufelt. Ich bin irgendwie kein Tuchstricker. Frau Nahtzugabe, die selber immer viele tolle Tücher strickt, stellte aber letztens fest, dass ich eigentlich den perfekten Tuch-Kleidungs-Stil habe. Womit sie nicht ganz unrecht hat, denn meine gekauften Tücher trage ich unglaublich gerne. Ich beuge mich also gerne ihrem Rat und nehme mir fest vor ein Tuch (zu Ende) zu stricken. Groß soll es sein, alles andere ist noch ziemlich offen. Kandidaten gibt es genug …

Ich schwanke zwischen Lochmuster (in uni) und Farbstreifen um meine Motivation bei Laune zu halten. Drachenfels ist ja irgendwie ein Klassiker …

 

Oder sollte ich es doch mal mit einem Stephen
West versuchen? Rehgeschwister hatte so eine wundervolle Version von clockwork und auch daybreak gefällt mir ja sehr …

Oder einer Kombination aus Lace und Farbe?

Was meint ihr? Habt ihr Favoriten oder schon mal eins dieser Tücher gestrickt? Ich kann mich einfach nicht entscheiden … Liebe Grüße, Zuzsa

Die Geschichte der Schluppenbluse … nebst einer Leseempehlung für „Stitches in Time“ von Lucy Adlington

Erinnert ihr euch noch an meine Mutmassungen zur Entstehung der Schluppenbluse aka Pussy Bow? Und dass ich euch versprochen habe Informationen nachzuliefern, wenn mir Näheres zur Geschichte der Schluppe unterkommt? Zufällig bin ich vor ein paar Tagen über ein paar Fakten gestolpert, die ich euch nicht vorenthalten möchte…

Als ich meine Schluppenbluse genäht habe – die übrigens ganz entgegen meiner damaligen Absichten und trotz ihrer Beliebtheit in meinem Kleiderschrank noch keinen Nachfolger hat – habe ich ja überlegt, ob die Schluppe, das weibliche Pendant zum Schlips ist und damit ein Versuch sich den Nimbus der Professionalität, den ebenjenes den Männern vorbehaltene Kleidungsstück hat, anzueignen. 

Wie ich jetzt in der übrigens sehr kurzweilig Modegeschichte „Stitches in Time“ von Lucy Adlington nachlesen konnte, lag ich nicht ganz falsch mit dieser Annahme … (Stitches in Time, S.246 – 249)  

Der Schlips in seiner uns bekannten Form entwickelte sich im Laufe des 19. Jahrhunderts aus allen möglichen anderen Formen von Tüchern und Kragen und war ein rein von Männern getragenes Kleidungsstück. Als dann im Zuge der Frauenbewegung sich Frauen das Recht nahmen dieses Kleidungsstück neben HOSEN (oh, mein Gott ;)) und taillierten Kostümen zu tragen, war die Aufregung natürlich groß. Ikonisch wurde der Look so Adlington mit dem Typus des Gibson Girls: weiße Bluse mit Kragen, dunkler Rock und dunkler Schlips. 

Für uns scheinen die Outfits der Gibson Girls ja recht romantisch, zumal sie mir vor allem durch die wunderbaren vogelnestartigen Frisuren in Erinnerung geblieben sind, in ihrer Zeit war ihr Style aber der Versuch durch eine vergleichbar strengere Linie in den weiblichen Bestrebungen nach Bildung, sozialen und politischen Rechten ernst genommen zu werden und definitiv ein Ausdruck von Modernität und einer der Frauenbewegung im Prinzip positiv gegenüber eingestellten Grundhaltung.

Legendär sind die Gibson Girls in den Zeichnungen von Charles Dana. Dort sieht man aber auch sehr schön, dass sich das Bekenntnis zu den Frauenrechten auch sehr schnell zum Modeaccessoire verwischte und mal als  schwarzes Band, als Fliege oder Schluppe auftaucht. In meinem pinterest board habe ich für euch diverse Bilder und Photografien der Zeit zusammen gesammelt …


Welche Abstufung man auch immer wählte, eins zeigte man mit diesem Stil aber doch: Frau war modern auch in ihren politischen Ansichten. Tücher und Bänder machten den Stil im Gegensatz zum Schlips vermutlich nicht ganz so steif und maskulin und rückten einen ganz bewusst auch ein ganzes Stück ab von den Hardlinern der Frauenbewegung, den Suffragetten, die für ihre Überzeugungen demonstrierend auf die Straße ginge.

Schluppen und Schleifen setzten sich dann vor allem in den 30er und 40er Jahren fort, auch wenn einem vereinzelt schlipstragende Damen wie Marlene Dietrich über den Weg liefen. In den 70ern griff Margaret Thatcher diesen Stil sehr wohlüberlegt auf: sie kombinierte relativ einfache, gut sitzende Schnitte mit dem Pussy Bow und schaffte damit eine gut kalkulierte Gradwanderung zwischen professioneller Strenge, aber nicht zu männlichem Auftreten. In der Businesskeidung wurde dieser Trick ja gerne kompiert. Nichtsdestotrotz schafft es die Pussy Bow aber nicht, den gleichen Grad an Gravität zu gewinnen wie der männliche Schlips. Dazu hat die Schluppe zu sehr das Image von niedlich, hübsch und dekorativ.

Leseempfehlung: Auf jeden Fall ist Lucy Adlingtons Buch ein sehr kurzweiliges Stück Modegeschichte und auch als Urlaubslektüre oder für zwischendurch sehr zu empfehlen. Ich lege es immer mal wieder zur Seite und greife es wieder auf und fühle mich immer gut unterhalten. In dem Buch geht es um die Geschichte unserer (europäischen) Kleidung und zwar ziemlich umfassend vom Schlüpfer bis zum Schlips. Das das bei einigen Tausend Jahren Entwicklung manchmal ein bisschen kursorisch ist, ist klar, aber nie langweilig und ein toller Einstieg in die Modegeschichte. Das einzige Manko: Leider scheint es keine deutsche Übersetzung zu geben und manchmal ist mir das Buch dann doch etwas sparsam bebildert. Aber auch das ist irgendwie klar, handelt es sich ja um ein Taschenbuch und Bilder sind teuer im Druck. Dafür gibt es ja dann ganz hervorragende coffeetable Bücher in denen man Illustrationen nachblättern kann oder die pinterest Bildersuche. 😉 Wenn man sich ein bisschen mit Vintage Mode auskennt, hat man aber zu vielem sowieso ein Bild im Kopf.

Falls ihr weitere gute Mode-Sach- und / oder Bilderbücher empfehlen könnt, habe ich ein offenes Ohr für euch und würde mich über eure Kommentare sehr freuen! 🙂

Viele Grüße, Eure Zuzsa

 

 

Kimono und neuer Jeansrock

Für den Sommer brauchte ich eine Reihe praktischer Oberteile und Röcke … ich weiß auch immer nicht wohin meine Shirts im Winter verschwinden, aber jeden Sommer stehe ich da … und habe NICHTS anzuziehen. Ich übertreibe hier ein klitzekleines biiiiischen, aber ihr könnt das Gefühl bestimmt nachvollziehen. Gefühlt, kommt bei mir nichts so schnell aus der Mode wie Shirts. Während ich Röcke und Kleider bis zum Auseinanderfallen trage, habe ich das ultimative Shirt noch nicht gefunden und so beginnt jeden Sommer, dann wenn es eigentlich schon heiß und somit zu spät ist, eine Nähorgie und die Suche nach dem heiligen Gral. Darum geht es aber heute gar nicht …

Ein Teil, dass bei mir bisher nicht aus der Mode gekommen ist und das ich ziemlich praktisch finde, ist mein Kimono. Den liebe ich heiß und innig! Und da meine Lieblingsvariante aus Patchworkbaumwolle und damit ein klitzekleines bisschen zu warm ist, musste eine Sommervariante her.

Der Viskosedruck von Stoff&Stil bettelte quasi darum ein Kimono zu werden. Oder eigentlich mehr eine Kimonobluse oder Überwurf? …

Er ist in einer Art Bordüre gedruckt, will heißen: alle Blümchen drängeln sich auf der linken Stoffhälfte während sie auf der rechten langsam ins schwarze Nichts ausblenden. Ich habe die ganze rechte Länge von 1,50 m für Vorder-und Rückenteile verwendet, um den Fade-Effekt in meinen Kimono einzubauen. Aus der restlichen Stoffhälfte habe ich die Ärmel gezaubert.

Supereinfach und superschnell an einem Abend genäht, weil das ganze eigentlich nur aus ein paar Rechtecken besteht. Schaut mal hier in mein Tutorial, falls ihr Inspiration zum Nähen eines Kimonos sucht. Ich habe ihn diesmal etwas vereinfacht und die Blende geich mit angeschnitten. 

Im Gegensatz zum Shirt-Phänomen weiß ich aber immerhin, wo all meine schmalen Röcke geblieben sind. Sie sind entweder dem Fahrrad zum Opfer gefallen und am Schlitz gerissen oder der Waschmaschine, die meinen Stretchrock auf geheimnisvolle Weise geschrumpft hat. Somit musste mal wieder ein Basisrock her. Aus unstretchigem Jeans und wie immer nach Simplicity 7434.  Ich vermute stark, es ist nicht der letzte dieses Jahr.

Bald gibt es weitere Ergebnisse der Nähorgie zu sehen. Und dann wirklich Shirts! 😉 Bis dahin, eure Zuzsa

 

Auf den Nadeln im Juli

Es ist mal wieder Zeit für Auf den Nadeln. Und höchste Zeit für mich ein bisschen Ordnung in meine Strickprojekte zu bringen!

Derzeit gibt es drei Kandidaten, die nadelklappernd um meine Aufmerksamkeit ringen. Mit wechselndem Erfolg …

Das Frühlingsjäckchen vom FJKA, ich wage es ja kaum zuzugeben, ist zum Beispiel immer noch nicht fertig. Zwischendurch ergreift mich immer wieder die Unlust. Mal habe ich das schwierige Muster vergessen, mal nervt mich der Mustereinsatz in der „Seitennaht“ und außerdem liegt jetzt ein riesiges Stück Bündchen vor mir … alles gute Gründe sich neuen Projekten zu widmen, die leichter von der Hand gehen. 😉 

Letzten Monat habe ich deshalb einen Pullover aus Quince&Co Chikadee in pomegranate begonnen. Ein absolutes Streichelgarn, das mir netterweise zu Weihnachten geschenkt wurde. Die Garnstärke, ich stricke es relativ locker mit 3,5er Nadeln, passt super zu kühlen Sommertagen und die Farbe erinnert mich an Malvenblüten, passt also auch ganz hervorragend. Das Muster kann ich auswendig und so ist das Stricken, wie ihr an den Fortschritten seht, ein Spaziergang und ich hoffe sehr, ich kann das Pullöverchen in den Sommerurlaub mitnehmen.

Ein weiteres Sommerprojekt ist die Pemberly Reticule aus „The Best of Jane Austen Knits“. Was übersetzt heißt, ich stricke mir eine Umhängetasche! Mein 70er Jahre verliebtes Herz schlägt Purzelbäume! 😉 Obwohl es sich natürlich viel edler anhört, wenn ich sage: ich stricke eine Tasche, die von der Regency Ära inspiriert wurde. Mit diesem Projekt kommt dann auch endlich mal ein Mako Baumwollgarn von OnLine weg, das hier schon ewig liegt, weil Baumwollgarne und Pullover für mich einfach nicht zusammenkommen. Ich plane für die Tasche ein Stoffinnenleben, damit sie nicht zusehr ausleiert.

Derzeit sieht die Tasche allerdings noch aus wie ein verhinderter Seeigel …

Damit reihe ich mich in die Riege der anderen strickenden Lady ein und schnacke rüber zu maschenfeins Auf den Nadeln

Liebe Grüße, eure Zuzsa

Wolle Färben und andere fixe Ideen …

Wolle färben ist an sich eine ziemlich gute Idee, finde ich. Man kann naturfarbene Stränge in der Wunschfarbe färben und was mich noch viel mehr begeistert, gekaufte Fehlfarben umfärben. Die Frage ist nur wie und wieviel Aufwand ist dafür gerechtfertigt, (in einem Leben, das sich nicht mit Herz und Seele der Färberei verschrieben hat)? 

kool aid Fruit punch and black cherry auf Alpaka Wolle von Drops

Eine ganze Weile habe ich mit Naturfarben experimentiert. Ich habe eine sehr schöne Krappfärbung hinbekommen und auch Walnussschalen bringen gute Ergebnisse. Der Nachteil: mal abgesehen von Walnüssen, die ihre eigene Beize in Form von Gerbsäure enthalten, ist das Färben mit Naturfarben nicht ganz so natürlich wie es klingt. Ich benötige für ein intensives Farbergebnis immer verschiedene chemische Vorbeizen und daher ein komplett eigenes Kochgeschirr und einen möglichst aufgeräumten Arbeitsplatz für den Färbevorgang. Zum anderen dauert die ganze Prozedur manchmal Tage. 

die selbe Mischung auf vorgefärbter Wolle (ehemals quietschgelb & helles vollmilchbraun)

Jetzt bin ich zwar sehr für Experimente zu haben, aber ganz ehrlich, ich verbringe eine Stunde lieber strickend als mit Färbesubstanzen zu hantieren und so spannend ich den ganzen Prozess finde, ist mir der Ausgang gerade bei bereits vorgefärbten Garnen dann doch zu wenig vorhersagbar. 

Eine allerletzte Chance wollte ich dem Färben aber noch geben, bevor ich es ad acta lege: kool aid, das amerikanische Brausepulver. Bei pinterest hatte ich immer wieder schöne Ergebnisse gesehen und mich vor ein paar Wochen einmal intensiver mit dem Färbevorgang auseinandergesetzt. Und siehe da, es versprach eine schnelle, ungefährliche und farbintensive Alternative zu anderen Färbemethoden zu sein. 

Ich habe mir via ebay das Getränkepulver in der Dose als Geschmacksvariante Fruchtpunsch bestellt und ein paar kleinere Tüten anderer Geschmacks/Farbrichtungen und losgelegt. Das Setting ist denkbar einfach: Wolle eine halbe Stunde in Wasser vorweichen, das Pulver in einem Topf anrühren und dann aufkochen. Innerhalb einer guten Stunde ist die komplette Farbe von der Wolle aufgenommen und das Wasser klar. Beim Ausspülen hat man kaum Farbreste, die auslaufen. Einfacher gehts eigentlich nicht, oder?

Mein Fazit: Ab jetzt würde ich, wenn mich der Experimentierteufel überkommt, wohl wieder zu kool aid greifen. (Vielleicht sollte ich an dieser Stelle noch kurz erwähnen, dass dieser Post nicht gesponsert ist, sondern meine ehrliche Begeisterung wiedergibt. 🙂 ) Es ist für mich, die schnellste und am besten vorhersagbare Färbemethode, die mir bisher untergekommen ist. Trinken würde ich das Gebräu aber nicht, sorry Leute!