Fair Alpaka Wickeljacke – eine Anleitung (Gr 38)

Ihr Lieben habt nach der Anleitung für die Wickeljacke gefragt, die ich vor zwei Wochen beim MMM und vor einem halben Jahr schon einmal in einer anderen Wollstärke gezeigt habe. Glücklicherweise habe ich  mir beim letzten Modell die eine oder andere Notiz gemacht! Aber als kleine Warnung vorweg: es handelt sich eher um eine „Kochanleitung“ als um eine vollwertige Strickanleitung. Das Grundprinzip ist aber ein simpler Raglan, sodass ich gar keine Zweifel habe, das ihr meine Notizen für Gr. 38 problemlos auf eure Größe und Maschenprobe anpassen könnt. 🙂

Ich freue mich dennoch auf eure Rückmeldung, wie ihr mit der Anleitung klarkommt oder ob euch etwas unverständlich geblieben ist. Ich finde ja, Strickmuster hören sich aufgeschrieben immer sooooooo unglaublich kompliziert an, wo sie es in der Realität überhaupt nicht sind!

Die Maßangaben die ich euch gebe, sind für eine Größe 38 mit ungefähr 86 cm Oberweite und  96 cm Hüftweite und 160 cm Körpergröße. Ihr merkt, ich falle in den Bereich der Kurzgrößen, wenn ihr größer seid als 160 cm müsst ihr die Längenangaben etwas für euch anpassen. Ihr bestimmt die für euch richtige Länge am besten durch Anprobieren des Strickstückes.

Bitte lest euch die kompette Anleitung (oder zumindest den kompletten Absatz) durch, bevor ihr loslegt. 😉

Material

Ich habe die Jacke bereits zwei mal gestrickt. In der dickeren Variante in Fair Alpaka DK und in der dünneren Variante mit 3/4 Arm mit Fair Alpaka Sport. Leider geht Fair Alpaka Sport aus dem Sortiment, weshalb ich euch hier nur die Angaben für DK liefere.

Ihr braucht …

Fair Alpaka DK

9 Knäuel, 450 g, 900 m

Rundstricknadeln 3 und 3,5

3 größere Maschenhalter

4 Maschenmarkierer

 

Maschenprobe

Glatt rechts gestrickt, solltet ihr folgende Maschenprobe erhalten ….

Nadelstärke: 3,5

Mapro: auf 10 cm 18 Maschen und 26 Reihen

Abweichungen bei der Reihenzahl sind dabei relativ unproblematisch, da ihr die richtige Länge durch Anprobieren bestimmen könnt. Wenn eure Maschenzahl abweicht, müsst ihr im Zweifelsfall euren Halsausschnitt neu berechnen.

verwendete Abkürzungen

k = knit, rechte Masche

p = purl, linke Masche

yo = yarn over, Überschlag

pm = place marker, Maschenmarkierer setzen oder von einer Nadel auf die andere mitnehmen

m1 = make one, eine Masche zunehmen z.B. aus dem Querfaden

k2tog = knit 2 together,  2 Maschen rechts zusammenstricken

ssk = slip slip knit, 2 Maschen wie beim rechts Stricken abheben, dann verschränkt abstricken

rib = Bündchen nach dem Muster *k p*

* = Angaben zwischen Sternchen wiederholen

 

Aufbau allgemein

Meine Wickeljacke wird mit Raglanzunahmen gestrickt. Ihr beginnt am Halsausschnitt und legt zwischendurch die Maschen für die Ärmel still, die ihr später anstrickt.

Die Wickelform erreicht ihr, indem ihr nicht nur an den Raglanschrägen sondern auch am Reihenanfang und Reihenende jeweils eine Masche zunehmt. Diese Zunahmen haltet ihr durch, bis ihr etwa in Hüfthöhe angekommen seid, dann werden die Vorderteile ohne Zunahmen weiter gestrickt.

Die Blenden werden ganz zum Schluß in einem Rutsch mit dem Halsbündchen angestrickt und in Tailienhöhe zu Bindebändern verlängert.

Wenn nicht anders erwähnt, ist das Grundmuster immer glatt rechts in der Hinreihe, glatt links in der Rückreihe. Alle Bündchen (außer das Minibündchen am Gürtelloch) stricke ich mit einer halben Nadelstärke kleiner als den Rest des Jäckchens.

 

Anleitung

Passe

Für ein Halsbündchen von 35 cm 64 Maschen anschlagen. (Das ist ein wenig enger, als ich es bei der braunen Jacke gestrickt habe, die ihr im Bild seht. Sie rutscht etwas von den Schutern.)

Mit einer Rückreihe beginnen, dabei die Maschen wie folgt mithilfe von Maschenmarkierern aufteilen:

2 / 14 / 32 /14 / 2

In jeder Hinreihe nehmt ihr am Reihenanfang und Reihenende 1 Masche z.B. aus dem Querfaden zu und strickt vor und nach euren Maschenmarkierern je eine Raglanzunahme. Für Reihe 2 sähe das in Strickschrift so aus:

R2: k m1 yo k pm k yo k12 yo k pm k yo k30 yo k pm k yo k12 yo k pm k yo k yo m1 k

Nach diesem Schema strickt ihr die komplette Passe bis ihr ungefähr 25 Raglanzunahmen oder ca. 20 cm oder eine für euch angnehme Passentiefe erreicht habt.

Ärmel stilllegen / Zusammenlegen von Vorder- und Rückenteil

Im nächsten Schritt müsst ihr die Ärmelmaschen stillegen und gleichzeitig das Vorder- und Rückenteil miteinander verbinden. Das macht ihr am besten in einer Rückreihe. Die Ärmelmaschen legt ihr auf einem Maschenhalter eurer Wahl still und überbrückt den Übergang zum Rückenteil mit neu aufgestrickten Maschen.

Dass heißt: ihr strickt bis zu eurem ersten Maschenmarkierer. Zieht alle Ärmelmaschen bis zum nächsten Maschenmarkierer auf einen Maschenhalter eurer Wahl. Strickt 12 Maschen auf eure Nadel auf und strickt dann alle Maschen eurer Rückenpartie bis ihr den 3ten Maschenmarkierer erreicht. Die Maschen zwischen dem 3ten und 4ten Markierer legt ihr wiederrum wie beschrieben still. Überbrückt durch 12 aufgestrickte Maschen und strickt am Ende alle Maschen des 2ten Vorderteils bis zum Reihenende.

Es ist sinnvoll nach 6 der aufgestrickten Maschen einen Maschenmarkierer zu setzen, der für euch die „Seitennaht“ markiert.

Taillierung

Ihr strickt nun bis ihr eure Taille nach ca. 18 cm erreicht habt. Die Zunahmen am Reihenanfang und – ende behaltet ihr nach wie vor bei.

Außerdem nehmt ihr unterwegs eine leichte Taillierung vor. Ich nehme dafür alle 4 cm 2  Maschen pro Seitennaht nach folgendem Schema ab: ssk k2 pm k2 k2tog. Insgesamt habe ich 4 Abnahmen bis zur Taille gestrickt. Wenn ihr größer seid als ich, müsst ihr den Abstand zwischen den Abnahmen etwas vergrößern. Wollte ihr eine stärkere Taillierung nehmt ihr mehr Maschen ab.

Das Loch für den Gürtel

Habt ihr eure Taillie erreicht, müsst ihr in eurer rechten „Seitennaht“ ein „Loch“ einfügen, durch das ihr später den Gürtel ziehen könnt. Gleichzeitig werden keine weiteren Zunahmen mehr am Reihenanfang und Reihenende gestrickt.

Um das Gürtelloch zu arbeiten teilt ihr eure Arbeit für 8 Reihen in rechtes Vorderteil und linkes Vorderteil nebst Rückenteil.

Ihr strickt das rechte Vorderteil bis zum Maschenmarkierer. Die Nadeln von Rückenteil und linkem Vorderteil wandern auf einen Maschenhalter oder eine Ersatznadel. Ich stabilisiere das Gürtelloch gerne indem ich vor (und hinter) dem Loch pro Reihe einen Minibündchen von p k p einfüge. Dann wendet ihr eurer Strickstück und strickt das rechte Vorderteil ganz normal für 8 Reihen weiter.

Die gleichen 8 Reihen wiederholt ihr beim Linken Vorderteil inkl. Rückenteil.

Nach diesen 8 Reihen fügt ihr eure Arbeit wieder zu einem Stück zusammen.

Bis zum Saum

Ihr strickt nun bis zu eurer gewünschten Saumlänge weiter. Bei mir sind das ca. 14 cm. Um den Saum abzuschließen, stricke ich ein Bündchen von 4 cm Länge an.

Ihr strickt ab der Taillie glatt runter und nehmt keine Zunahmen mehr am Reihenanfang und – ende vor. Nach Wunsch könnt ihr aber eurer Strickstück für die Hüftweite taiilieren indem ihr an den Seitennähten Maschen zunehmt. In meinem Fall nehme ich alle 4 cm 1 Masche vor und hinter den Seitennähten zu.

Blende

Nachdem ihr euren Saum fertiggestellt habt, strickt ihr die Blende in einem Rutsch mit dem Halsbündchen an. Dafür nehme ich aus der Seitenkante Maschen im Verhältnis 2:1 zu und stricke diese Maschen für ca. 4 cm in einem Bündchenmuster z.B. *k p*.

Beim Abketteln der Blende lasse ich 9 Maschen in Taillienhöhe unabgekettelt. Beginnend und enden mit einer k-Masche, wenn ihr in einer Hinreihe abkettelt. Diese 9 Maschen deponiere ich auf einem Maschenhalter und stricke sie im Anschluß im gleichen Bündchenmuster zum Gürtel weiter. Ihr könnt diese 9 Maschen an dieser Stelle aber genausogut später aus den Abgekettelten Maschen wieder aufnehmen.

Strickt je einen Gürtel von ca. 65 cm Länge an beide Vorderteile.

Ärmel

Jetzt fehlen nur noch die Ärmel!

Für die Ärmel nehme ich meine stillgelegten Ärmelmaschen wieder auf, stricke 12 Maschen an und schließe sie zur Runde zusammen. Wieder markiere ich mir meine „Naht“, indem ich nach 6 aufgestrickten Maschen einen Markierer setzte.

Die Ärmel stricke ich in Runden ca. 14 cm glatt. Danach nehme ich alle 4 cm 1 Masche vor und nach meinem Markierer ab.

Wenn ich kurz über meinem Ellenbogen angekommen bin, stricke ich ein breites Bündchen von ca. 8 cm an und erhalte 3/4 Ärmel.

Für lange Ärmel stricke ich bis zur Mitte meines Unterarms und schließe dann mit einem superbreiten Bündchen von ca. 20 cm ab.

Fertig ist die Wickeljacke!

Ich hoffe ihr habt Freude an der Anleitung! Wie gesagt, gebt mir ruhig Rückmeldung, wenn ich mich unverständlich ausgedrückt habe oder ihr Fragen habt. Ebensosehr freue ich mich, wenn ihr hier eure fertigen Cardigans verlinkt. Ich freue mich natürlich auch darüber, wenn ihr diese Anleitung weiterempfehlt und weiterverlinkt, bitte euch aber mein Urheberrecht zu beachten und weder Bilder noch Text unter eurem Namen zu veröffentlichen.

Viel Freude beim Stricken, eure Zuzsa

 

 

 

MeMadeMittwoch im Jeans-Wickelkleid

Zum heutigen MeMadeMittwoch kann ich es euch endlich zeigen: das bisher am besten vorangekündigte Kleid in diesem Blog! 😉 Ich habe bekanntermaßen ein sehr weiches Herz für die 70er Jahre und bei diesem Kleid aus superleichtem Jeansstoff durfte dieses Herz mal so richtig davongaloppieren …

… entstanden ist ein verspieltes Wickelkleid, das eine lustige Kreuzung aus Kimono und Unterrock ist, finde ich. Eine ältere Dame meinte allerdings zu mir: „eine hübsche Schürze haben Sie da an!“ Und auch wenn ich diese Interpretation nachvollziehen kann – der Stoff erinnert schon ein bisschen an einen Arbeitskittel – bin ich von dieser Einschätzung dann doch nicht ganz so begeistert, wie ihr euch sicher denken könnt. Da das Kompliment aber wohl ehrlich nett gemeint war, verzeihe ich ihr großzügig! 😉

Punktum, ich mag das Kleid sehr, Schürze hin oder her, und habe es auch schon mehrfach getragen. Der Schnitt ist von Stoff&Stil (Nr. 23132). Wobei ich den Rockteil weiter ausgestellt, gekürzt und den Volant angefügt habe. Und auch die Kimono-Ärmel habe ich um gut 16 cm verlängert, um zumindest in Innenräumen nicht ständig einen Cardigan über dem Kleid tragen zu müssen.

Ich kann mir gut vorstellen den Schnitt nocheinmal zu nähen. Nur im Rücken ist er mir ein bisschen weit geworden. Ich fand ihn auf den ersten Blick ein wenig knapp bemessen und habe großzügig im Rücken etwas Mehrweite zugegeben. Ähm, nunja, ich hätte dem Schnitt auch vertrauen können.

Der leichte Denim ließ sich super einreihen und war damit perfekt für mein Vorhaben. Kombiniert habe ich ihn mit einer terracottafarbenen Paisley-Viskose (beide übrigens bei Stoff&Stil ergattert) und war positiv überrascht und begeistert, wie einfach sich Viskose (zumindest in Kombination mit Jeans) zu „Schrägband“ verarbeiten lässt. Einfach 4 cm breite Streifen aus der Viskose reißen und annähen und umbügeln. Das ging super schnell und geschmeidig!

Ein bisschen saisonuntypisch ist das Kleid noch. Eigentlich ruft es nach den ersten warmen Sonnenstrahlen des Frühlings und ich freue mich schon sehr es dann rauf und runter zu tragen. Was ihr so alles gezaubert habt, gibt es heute wieder beim MeMadeMittwoch zu sehen, von wo Frau Nahtzugabe uns in einem memade-Komplettoutfit zum Abschied zuwinkt! Winkewinke zurück!

Bis gleich, eure Zuzsa

 

 

Sew your pinterest board Februar

Am Jahresanfang hatte ich verkündet, dass ich mir für 2017 vorgenommen habe, mehr von den Ideen, die ich als pins bei pinterest horte auch tatsächlich umzusetzen. Mich beunruhigt ja das sinnlose Anschwellen meiner Boards ein bisschen und da ich weiß, dass ich beim Nähen sowieso dazu neige Altbekanntes und Erprobtes einfach immer wieder zu wiederholen, habe ich mir selbst ein bisschen auf die Füße getreten!

Mit Erfolg, denn das erste Kleidungsstück ist bereits entstanden. Bevor ich es euch beim nächsten MeMadeMittwoch in voller Schönheit zeige, weil mir heute absolut keine gut beleuchteten und scharfen Tragebilder gelingen wollten, wollte ich euch an dieser Stelle ein bisschen etwas über die Inspiration zu dem Kleid erzählen, dass ich mir genäht habe.

Vor Ewigkeiten schon hatte ich mir ein Bild dieser Vintage-Jacke gepinnt…


 

Link

Ich fand die Kombination aus floralem Baumwollstoff und Jeans einfach großartig! Vielen von euch, ist die Jacke vielleicht zu 70er, aber ich bin wohl im Herzen ein Hippie-Mädchen und springe auf diesen Boho-Style voll an. So habe ich lange überlegt mir eine ähnliche Jeans-Jacke zu nähen. Was mich davon abgehalten hat, ist, dass ich im Laufe der Jahre Jeans & Blau so ziemlich komplett aus meinem Kleiderschrank verbannt habe! Theoretisch finde ich Jeans toll, aber praktisch passten weder der Stoff noch die Farbe in meine Garderobe … bis mich bei Stoff&Stil ein ganz dünner heller Jeansstoff ansprang und plötzlich Inspiration, Kleidungsstück & Stoff zusammenklickerten.

Entstanden ist ein ziemlich ungewöhnliches Stück für meinen Kleiderschrank. Und erstaunlich ist auch, dass ich mich in dem Kleid sehr wohl fühle! Ich hatte es bereits an und kann euch sagen, es trägt sich super, (auch wenn es gefühlsmäßig ein Kleid ist, dass nach Frühling ruft!). Ein kleines Stimmchen in meinem Hinterkopf überlegt bereits, ob es nicht noch mehr hübsche Jeansstoffe für mich gibt! ;)…

In diesem Sinne, sage ich: Tschüss, bis nächsten Mittwoch! Eure Zuzsa

P.S. Falls die Frage aufkommt, dieser Beitrag wird in keiner Weise von pinterest gesponsert oder unterstützt. 😉

MeMadeMittwoch in Burda Bluse Nr.120

Die Bluse Nr. 120 aus der Burda 2/2009 und ich, ich glaube, wir werden sehr gute Freunde!!! 🙂

Lange genug hat es ja gedauert, bis ich das Modell endlich einmal ausprobiert habe. Das Heft, das übrigens gleich mehrere hübsche Blusenschnitte präsentiert, habe ich irgendwann gaaaaaanz am Anfang meiner Nählaufbahn erstanden und den Designerschnitt daraus genäht. Während die Onofri-Bluse mir mittlerweile ein bisschen zu niedlich ist, gefallen mir aus der Heftstrecke mit den blumigen Blusen- und Kleiderschnitten noch weitere Schnitte sehr gut.

Die im Heft gezeigten Modelle von Nr.120 sind beide aus Chiffon, – den ich persönlich nicht so mag, – aber wie erhofft, eignet sich der Schnitt super für weichfließende dünne Viskose. Ein Stoff, der seit letztem Jahr ein heißgeliebter Liebling geworden ist.

Die bordeauxfarbene Variante, die ich hier vernäht habe, ist von Stoff&Stil. Ein schönes Stöffchen, wie ich finde!

Viskose ist ja nicht unbedingt ein einfach zu verarbeitender Stoff. Der Flutschfaktor ist hoch, dafür garantiert sie aber oftmals auch einen schönen weichen Fall. Wenn man das bei der Wahl seines Schnittes ein bisschen im Auge behält und sich fitzelige Details lieber für eine stabile Baumwolle aufhebt und beim Bügeln immer schön ein Tuch zwischenlegt, hat man aber viel Freude an dem Stoff. Ich gestehe, ich ziehe Viskose jedem Jersey vor, aber die Geschmäcker sind da ja zum Glück verschieden. 😉

Der Rock, den ihr hier seht, ist ein alter Bekannter aus Fischgrat Wollstoff, aber die Strickjacke habe ich auch noch nicht gezeigt.

Es handelt sich um ein weiteres Wickeljäckchen nach eigenem Rezept aus Fair Alpaka. Dieses Mal in DK verstrickt und halb so lange gebraucht, wie beim letzten Mal aus Fair Alpaka Sport. Die Jacke ist so unglaublich kuschelig und warm, dass ich auch bei Schnee und Eis nicht friere, und dank des Schokoladenbrauns vielseitigst kombinierbar in meinem Kleiderschrank. Genau so ein Jäckchen habe ich gebraucht!

Was ihr diese Woche so gezaubert habt, schaue ich mir gleich einmal beim MeMadeMittwoch an! Heute verabschiedet sich Frau dreikah mit einem bezaubernden Pilvi Mantel/Kleid aus dem MeMadeMittwoch-Team. Grund nocheinmal an alle Organisatorinnen des MMM ein großes Danke hinüberzurufen! Man vergisst ja oft, wieviel Organisation & Kraft hinter den Kulissen eines Projektes steckt. Merci!!!

Eure Zuzsa

 

Das edelsteinblaue Wollensemble (1958)

Habt ihr Lust ein bisschen alte Mode mit mir zu analysieren? Ich erwische mich in letzter Zeit immer mal dabei wie ich rein theoretisch über die Konstruktion der verschiedenartigsten Kleidungsstücke brüte, die mir so über den Weg laufen. Ein Zeitvertreib, den ihr als Mitnähende wahrscheinlich teilt, oder? 😉 Und ich dachte heute, wenn ich schon brüte, dann kann ich das eigentlich auch gleich und desöfteren öffentlich tun und euch vielleicht die eine oder andere Inspiration weiterreichen. Obwohl ich gleich vorweg sage: was mir modisch so auffällt, muss für euch noch lange nicht neu oder total zeittypisch sein. Ich sehe das ganze eher als kleine, unsystematische Entdeckungsreise, die mir hilft meine Konstruktionskenntnisse und mein Zeitwissen ein wenig auszubauen. Euer Input ist mir aufs herzlichste Willkommen!

Heute ist mir jedenfalls das Burda-Schlagermodell aufgefallen. Und zwar das Modell vom Januar 1958:  ein „edelsteinblaues“ (schon allein bei dieser Beschreibung hatte mich Burda gefangen 😉 ) Ensemble aus Wolltaft. 

Schnittbeschreibung:

Das Kostüm ist relativ schlicht: schmaler Rock an kurzärmeligem Kleid, 3/4-Arm und unaufffälliger Kragen an Jacket mit Teilungsnähten. Ich vermute der Rock endet in der Mitte der Waden, wenn ich die Schnittzeichung richtig deute.  Wären da nicht die „schmetterlingsförmigen“ Verzierungen, die mir sofort angenehm ins Auge gesprungen sind, wäre das ganze Ensemble maximal ein verdammt gut sitzender, farblicher Hingucker. Die Burda-Cover des Jahres 1958 haben oftmals die gleiche bonbonartig Eleganz wie unser Modell: schlichte Schnitte, starke Farben, Ton in Ton bis zu den stoffbezogenen Knöpfen. Die Schmetterlingsdrapierung ist aber doch irgendwie entzückend schick und ungewöhnlich.

Konstruktion

Das Kleid soll aus Wolltaft genäht werden. Wolle und Taft steckten bei mir bisher nicht in der gleichen Assoziationsschublade, aber offensichtlich, wenn Burda es verlangt, gibt es einen Wollstoff „mit Acetatseide“ gemischt. Was ich mir mal übersetze als Woll-Synthetik-Stöffchen, das nicht zu dick und fein anschmiegsam ist, um schöne Falten zu werfen. Denn die Schmetterlingsdrapierung ist letztlich nicht mehr als ein trapezförmiges Stück Stoff, dass zunächst in Falten gelegt werden muss, ähnlich wie ein Ziehharmonika. Der Clou ist jedoch, dass die Falten links nach oben und rechts nach unten gefaltet werden. Wird das Stoffstückchen jetzt um 180 Grad gedreht wie ein Farfalle Nudelschmetterling, liegen beide Faltenseiten ind die gleiche Richtung. Voila!

Das ganze wird dem Vorderteil „hohl“ aufgesetzt, die Seitenkanten der Drapierung dabei in den Teilungsnähten mitgefasst. Die Längskanten werden von Burda nicht explizit erwähnt, ich vermute, dass sie vorher versäubert werden?

Ein hübsches Detail, finde ich, dass sich bestimmt recht einfach Nachahmen lässt und das ich mir auch an Sommerkleidern hübsch vorstellen kann, so man denn einen beidseitig gleich gewebten Stoff verwendet. Bei unserem Modell finden sich die Drapierungen nicht nur am Vorderteil sondern auch in Taschenhöhe am Jacket, was ich ebenfalls sehr niedlich finde. Ganz rafiniert, versteckt sich genau mittig unter dieser Drapierung nach ein weiterer Abnäher, der vom Saum zur Tailie läuft und dem Jacket seinen unnachahmlichen Sitz gibt.

Und was sagt ihr? Spricht euch das Burda-Modell an oder würdet ihr die Schmetterlingsdrapierung als Schnickschnack lieber übergehen?

Ich gespannt! Eure Zuzsa