MeMadeMittwoch im 50er Jahre Pulli

Vor vielen vielen Jahren blätterte ein junges Fräulein in alten Handarbeitszeitschriften und wünschte sich nichts sehnlicher als all die zarten Lochmusterpullover stricken zu können, die die Modestrecken der frühen 50er Jahren zierten …

… Das Fräulein hatte aber seit der 3ten Klasse keine Stricknadeln mehr in der Hand gehabt und war auch sonst nicht gerade für seine Geduld bekannt. Dennoch kramte es mutig den ihr hinterlassenen Woll- und Nadelvorrat aus seinem dunklen Versteck hervor, begann zu stricken, zu räufeln und wütend Wollknäule in Zimmerecken zu werfen und ruhte kurzum weder Tag noch Nacht bis das Gestrick, das sie fertigte, nicht mehr einem unförmigen Topflappen sondern einem Pullöverchen glich so zart wie ein Blütenblatt.

Sieht nach einem Happy End für das Fräulein aus, oder? 😀

Der Pulli ist aus 2 Strängen Malabrigo Socks in der Farbe Botticelli gestrickt. Die Wolle ist wundervoll – weich, angenehm aber robust. In diesem Farbton könnte man das malabrigo Garn, dass sonst für seine schöne wilden Farbverläufe bekannt ist, schon fast als uni color bezeichnen. Der Pulli ist mit einer runden Passe komplett in einem Stück gearbeitet. Inspiriert wurde er ganz offensichtlich von den 50ern, basiert aber nicht auf einem Original-Strickmuster sondern auf freier Improvisation meinerseits und erfüllt mir trotzdem einen langgehegten Traum.

Erstaunt bin ich über den Tragekompfort dieses kleinen „Woll-T-Shirts“. Ich meine, wie praktisch kann ein kurzärmeliger Wollpullover sein? Im Herbst fehlen die Ärmel, im Sommer schwitzt man sich tot … dachte ich. Tatsächlich ist der Pulli mit einer dünnen Strickjacke darüber sehr kompfortabel zu tragen. Außerdem passt er ganz hervorragend zum kurzen Fischgrät-Rock, den ich euch vorletzten Mittwoch gezeigt habe.

Das Licht ist derzeit ein echtes Biest und macht vernünftige Innen- und Außenaufnahmen ziemlich schwierig. Ich habe mir viel Mühe gegeben, damit ihr nicht nur einen athmossphärischen Einblick in meine Nähecke bekommt, sondern auch ein bisschen was von dem schönen Lochmuster erkennen könnt. 😉 Ein paar besser ausgeleuchtete Details könnt ihr hier bestaunen, nebst ein paar subjektiven Spekulationen zum Thema anfängerfreundlichem Lochmusterstricken für alle diejenigen die ihre Finger ebenfalls nicht von zartem Gestrick lassen möchten.

Mit liebsten Grüßen, eure Zuzsa

Verlinkt beim wunderbaren MeMadeMittwoch

 

Anfängerfreundliches Lacemusterstricken – ein paar subjektive Überlegungen

Mein Vintage inspirierter Lace-Pulli ist fertig. Sieht kompliziert aus, nicht wahr? Das ist Lacemusterstricken aber nicht wirklich. Und ich sage das nicht, weil ich der absolute Lochmusterprofi bin, der schon tausende Anleitungen bezwungen hat. 😉 Davon zeugen mindest 5 angefangene Tücher, die in meiner Strickkiste herumdümpeln und die ich nicht mehr anfassen mag, weil es mir einfach nicht gelingt, dem Muster zu folgen. Geht es euch manchmal auch so?


My dear english speaking visitor: please read the english summary at the end of my article

Ich dachte ganz lange, ich sei in dieser Hinsicht einfach ein bisschen untalentiert, bis mir auffiel, dass ich einfach nur ziemlich schlecht darin war mir die richtigen Lacemuster auszusuchen. Mir ist nämlich eine klitzekleine Kleinigkeit aufgefallen, die mir vorher niemand verraten hatte: je symmetrischer ein Lacemuster ist, desto einfacher ist es für Anfänger zu stricken!

Ein symmetrisches Lochmuster ist ein Lochmuster, dass man an einer Achse spiegeln kann, so wie dieses hier zum Beispiel …


image courtesy of knittingstitchpattern.com

Sobald ihr die allererste Reihe eines solchen Musters richtig „abgestrickt“ habt, lassen sich alle weiteren ganz logisch ableiten und ihr seht direkt beim Stricken, ob das Löchlein in der zweite Reihe genau an der Stelle landet, an der es auch landen soll. Nichts ist nerviger, finde ich zumindest, als ein Muster bei dem man in der zweiten Reihe noch hilflos vor sich hin strickt und nicht genau weiß, ob sich das ganze Muster nicht bereits durch einen irgendwo eingeflossenen Fehler komplett verschoben hat. Das ist mir am Anfang ziemlich oft passiert! 😉 Mit steigender Erfahrung wird es natürlich einfacher Lacemuster zu überschauen, aber am Anfang würde ich euch raten, je einfacher desto besser!

Ein paar weitere anfängerfreundliche Muster sind deshalb der horseshoestitch oder dieses süße kleine Lochmuster, dass tatsächlich das erste war, das ich erfolgreich zu einem Cardigan verarbeitet habe.

Ein Muster, das ich euch als Anfänger nicht so richtig empfehlen würde, obwohl es superschön ist und ansonsten an dem Strickmuster absolut nichts auszusetzen ist, ist dieses kleine Glockenmuster …

Ich bin an diesem Muster als Anfänger verzweifelt. Es sieht so einfach aus, ist aber durch die Masse an Löchern, die da aufeinander treffen und keine klar verfolgbaren Linien bilden beim Stricken wirklich schwer zu überblicken. Ein schönes Beispiel dafür, dass es nicht unbedingt die Muster mit wenigen Zeilen sind, die einfach zu Stricken sind. 😉

Und noch ein kleiner Trick am Rande: ich zeichne ein Muster gerne ab, bevor ich es stricke. Das gute alte Papier ist geduldig und wenn ich überlege, wie ich die kleinen Kullern und Striche in meine Kästchen übetrage, wird mir die Struktur des Musters und die Größe der Rapporte / Wiederholungen viel bewusster. Das erleichtert das spätere Stricken enorm.

Ich suche meine Muster nach wie vor nach offensichtlicher Symmetrie und klar verfolgbaren Überschlägen aus. Und genau diese Eigenschaften hat auch das kompliziert erscheinende Muster meines neuen Strickpullis, was nicht wenig zu seinem Erfolg beigetragen hat. Was sagt ihr, hilft euch dieser kleine Trick genauso wie mir? Oder habt ihr ganz andere Methoden für euch entdeckt um Lacemuster zu knacken? Ich bin gespannt!

Translation: Some Musings about Knitting Lace for Beginners

I love to knit lace, but at the beginning I struggeled a lot. Until I realisied I simply choose the wrong patterns. So what´s my advice for beginning lace knitters: choose your patterns wisely and look out for the symmetrical ones at first. The leaf lace I pictured above is a lovely beginners lace because the patterns not only mirrors each other on a vertical line but because the yarn overs are stacked in an order easy to follow. I´m not an advanced lace knitter but I tackled my vintage lace top. Be free to follow my wisely advise. 😉

Liebste Grüße, eure Zuzsa

MeMadeMittwoch im Fischgratrock & Wollpullover

Das erste richtige Herbstteil ist fertig! Nach wunderbar endlosen Wochen Sommernähen halten jetzt wieder Wollstoffe Einzug in mein Nähzimmer und so richtig traurig bin ich nicht darüber, denn ein schöner Fischgrat ist doch eine feine Sache!

Seriös, englisch und ein bisschen altmodisch passt genau zu meiner derzeitigen Laune und ich spiele sogar mit dem Gedanken aus dem Reststückchen Stoff, das ich noch habe, eine passende Weste für den Rock zu schneidern. Was meint ihr?

Der Schnitt für den Rock ist wieder Simplicity 7434, von dem ich hier wie immer nur den Rockteil verwendet habe. Mittlerweile kann ich den Schnitt im Schlaf nähen! Und zur Abwechslung verwende ich demnächst einmal nur das Oberteil! Hoho! 😉

Der Pullover ist ebenfalls memade und wurde schon an kühlen Ostseeabenden rauf und runter getragen. In der der Stadt ist er eher ein Herbstkandidat, da Malabrigo Rios in Coco dann doch recht warm hält. Er gefällt mir aber sosehr, dass ich ihn gleich nocheinmal stricken werde. Das Strickmuster ist von mir entworfen und hat noch einige kleine Ecken und Kanten, die ich gern ausbügeln möchte. Ich spiele mit dem Gedanken, die Anleitung später zu veröffentlichen. Da ihr in den Kommentaren öfter mal nachfragt, frage ich hier einfach mal direkt: Wärt ihr interessiert?

Und für alle botanisch interessierten, stehe ich unter einer juglans regia, einer Walnuss, die leider von fleißigen Berlinern schon abgeerntet wurde. Die weichen Außen-Schalen der Walnuss machen beim Wollefärben einen ähnlich schönen Farbton wie im gezeigten Modell … und jede Menge Dreck, weshalb ich immer noch überlege, ob ich es wirklich ausprobieren möchte. 😉

Was sonst noch so los ist in Sachen memade, verrät Sujuti im MeMadeMittwoch-Blog. Wir sehn uns dort! Eure Zuzsa

 

 

 

 

MeMadeMittwoch mit Alpakajacke

Hallo ihr Lieben, nach vier wundervollen Wochen Urlaub auf dem Rad, voller Herumstrolchen durch Wald, Wiesen und weite Flur melde ich mich mit dem MeMadeMittwoch im Blog zurück.

Ich vermisse das Zugvogelleben jetzt schon! 😊, habe aber trotzdem unterwegs auch an euch gedacht und ein paar hübsche Fotos meiner neuesten Werke knipsen lassen. Danke an dieser Stelle an den Liebsten und Photographen!)

Entstanden sind die Bilder an einem lauen Sommerabend in Penkun, in einer Schlosskulisse von 1614, (so die Toreinfahrt), die direkt aus einem DDR-Märchenfilm entsprungen sein könnte.

Das Schloß beherbergt heute ein Museum. Abends gehört das Gebiet aber augenscheinlich mehr den Jugendlichen des nahegelegenen Jugendclubs, die Gewölbe und dunkle Ecken zum heimlichen Rauchen nutzen oder mit dem klischeemässig laut knatternden Motorrad vorfahren. Jaja, diese Jugend!😉

Das Jaeckchen ist im Frühjahr entstanden und wurde von mir nach eigener Anleitung aus Alpaka-Wolle von fair alpaka gestrickt. Die schöne Wollen kam in glatt rechtem Gestrick am besten zur Geltung, fand ich, deshalb ist es auch bis auf eine simple Raglanverzierung ganz schlicht gehalten.

In der rechten Seite gibt es eine Art größeres Knopfloch, durch das ich den Bindegürtel des linken Teils ziehen und dann im Rücken knoten kann.

Die 3/4 Ärmel sind mittlerweile so etwas wie mein Markenzeichen geworden, allerdings sind sie bei diesem Jaeckchen eher unplanmässig entstanden, weil mir die Wollen ausging und fair Alpaka ankündigte, die Qualität Sport nicht weiter zu produzieren. Da ich dazu neige, lange Ärmel eh immer hochzukrempeln, stört mich das allerdings überhaupt nicht. Der Rock ist natürlich auch memade, und mittlerweile ein alter Bekannter in diesem Blog.

Ich freue mich auf jeden Fall wieder beim MMM dabeizusein und husche gleich mal rueber zu euren Kreationen. Heute hat monikate ihren letzten Tag im MMM-Team,  deshalb an dieser Stelle noch einmal ein herzliches Hallo und Danke an alle, die dieses Event so unermüdlich für uns organiseren und organisert haben! Mit liebsten Grüßen, eure Zuzsa

 

Aller Anfang ist schwer … (nebst Lieblings-Tutorials)

Aller Anfang ist schwer zumindest beim Stricken in Runden! Kennt ihr den Moment, wenn in der Strickanleitung dieser kleine harmlose Satz auftaucht „die angeschlagenen Maschen zur Runde fügen, die Maschen dabei nicht verdrehen“ und es euch kalt den Rücken runter läuft? Denn was sich so einfach anhört, ist bei 209 angeschlagenen Maschen auf einer ziemlich langen und quirligen Rundstricknadel manchmal ein echter Nerventest.

Wie oft verdrehen sich die fitzeligen Maschen und man endet ungewollt mit einem Möbiusband? Antwort: Gestern! Bei mir 3 Mal! Argh!

Dabei weiß ich es eigentlich besser und verrate euch heute meine 3 nervensparenden Lieblingstricks zum Thema „Maschenanschlagen & zur Runde fügen“!

Number #1

Zum Thema Maschen anschlagen ist mir erst vor kurzem ein wirklich genialer Rat über den Weg gelaufen.

Um zu vermeiden, dass einem der Faden beim Anschlagen nach 310 Maschen ausgeht, obwohl man doch eigentlich 350 Maschen anschlagen wollte und man wieder von vorne anfängt, schlägt man statt mit einem mit zwei Knäulen an! Beide Knäule werden am Anfang mit einer einfachen Schlaufe miteinander verbunden und über die Nadeln geschoben, mit der ihr anschlagt. Dann nehmt ihr die Fäden wie gewohnt zum Anschlagen auf. Die Fadenseite, die sich normalerweise aus eurem Restfaden speist, und die gerne schneller alle wird als euch lieb ist, wird nun aus einem 2ten Knäuel gespeist. Problem gelöst! Genial, oder? Die Schlaufe schiebt ihr am Ende dann einfach wieder von der Nadel. Alle Details findet ihr bei cocoknits

No More Estimating Tail Length for a Long Tail CO

Number #2

Wie füge ich angeschlagene Maschen zur Runde, ohne dass sich das Strickstück in sich verdreht? Ich bin verweifelt über dieser Aufgabe bis ich über folgenden Trick gestolpert bin: statt die angeschlagenen Maschen sofort in Runde zu stricken, stricke ich sie jetzt 3 bis 4 Reihen lang offen. Wenn euer Strickstück einen Zentimeter dick ist, ist es viel einfacher zu beurteilen, ob sich eine Drehung eingeschlichen hat. Der kleine Schlitz, der sich so am Anfang eines Bündchens ergibt, lässt sich später ohne großes Federlesen zunähen.

Number #3

Mein letzter Tip bezieht sich darauf, wie ihr vermeidet, dass sich am Anfang eurer Runde eine unschöne „Leiter“ bildet, wenn ihr sie zur Runde fügt. ihr wisst schon, diese Stelle wo der Faden immer nachgibt, egal wieviel Mühe ihr euch gebt und wie fest ihr den Faden zieht. Auch hier gibt es einen einfachen, aber effektiven Trick: Leitern lassen sich vermeiden, indem ihr beim Rundenfügen die erste und letzte Masche eures Strickstücks vertauscht!

Äh, wie bitte?

Die erste Masche eurer neuen Runde ist meistens schön fest und lässt sich ohne sich selbst aufzulösen von der Nadel nehmen.

Dann fügt ihr euer Strickstück zur Runde und schiebt die letzte gestrickte Masche, die mit eurem Arbeitsfaden auf die linke Nadel.

Mit der rechten Nadel nehmt ihr dagegen die erste Masche, die die gerade besorgniserregend frei im Raum herumhängt, wieder auf.

Die Maschen haben so ihre Plätze getauscht und wenn ihr jetzt eure Runde strickt, kann sich der Arbeitsfaden nicht mehr ziehen und es entsteht keine unschöne Leiter am Rundenanfang.

Ich hoffe diese Tricks machen euch genausoviel Freude wie mir und helfen euch dabei, Stricken zu einem wirklich entspannten Ereignis werden zu lassen. 😉

Mit lieben Grüßen, eure Zuzsa