Wolle färben … erste Gehversuche mit Roter Beete und Zwiebelschalen

Ein bisschen ist es wie früher, als ich als kleines Mädchen kochen gespielt habe und Sand und Löwenzahn zu leckerem Brei verrührt habe. Die Brühe aus Roter Beete und Zwiebelschalen, die ich angerührt habe, sieht auf jeden Fall ähnlich appetitlich aus und riecht ähnlich erdig, wenn auch nicht unlecker.

Mit zwei langweiligen, alten Knäulen naturfarbener Sockenwolle habe ich heute meine ersten zarten Schrittchen im Wollefärben gemacht. Schließlich kann man nicht immer nur Ideen in pinterest anhäufen, man muss gelegentlich auch mal was ausprobieren. Und diese wunderbar erdigen Rottöne, die beim Färben mit Naturmaterialien entstehen können, faszinieren mich sehr. Nicht ganz unschuldig an meiner Experimentierfreude in dieser Richtung ist Mila von creaturesandcreations, die immer wieder schönes mit Naturfärbungen zaubert, und heute einen Sonntag voller Handarbeiten & Bücher veranstaltet. Schaut mal vorbei, es ist super spannend, was dort alles in Echtzeit entsteht.

Zunächst habe ich mich in die Lektüre des „Großen Handbuchs Natürlich Färben“ vom Topp-Verlag und diverser Internetseiten vertieft. Was mich am Handbuch ein bisschen irritiert hat, ist, dass das angeblich so natürliche Färben, dort nicht ohne die Zugabe von zum Teil giftigen Salzen abgeht. Das habe ich mir so eigentlich nicht vorgestellt und mich dann für eine experimentelle Methode entschieden, die zwar nicht so farbintensiv ist, aber ohne große Sicherheitsvorkehrungen in der heimischen Küche ausgeführt werden kann.

Mein Grundrezept heute war

Wolle zu Strängen wickeln und gut bedeckt 1/2 Stunde in 6% Essig einweichen

Die Färbelösung aus Roter Beete Knolle (wahlweise Saft) und Zwiebelschalen vorbereiten und gut 1 Stunde zusammen köcheln lassen

Die Stückchen ausseien und die Brühe abkühlen lassen

Die Wollstränge nacheinander 1 Stunde (oder länger) im Farbbad tränken, dabei vorsichtig bis 40 Grad  erwärmen (oder soviel wie eure Wolle laut Banderole zulässt). Immer wieder vorsichtig umrühren. Danach ausspülen und zum Trocknen aufhängen.

Beide Stränge haben ganz unterschiedlich reagiert. Während der eine (oben rechts im Bild) nur eine Nuance gelber geworden ist, hat der zweite einen warmen Rotbraunton angenommen, was sicher auf den unterschiedlichen Gehalt an Synthetikfasern zurückzuführen ist. Mein Farbsud war auch nur mittelmäßig intensiv und ich bin sehr gespannt, ob man mit einer kräftigeren Lösung intensivere Ergebnisse erzielen kann.

Was mich jetzt brennend interessiert, ist, ob ihr Lieben Ratschläge, Links oder gute Literaturhinweise für mich habt? Habt ihr selber schon einmal gefärbt, egal ob Wolle oder Stoffe, und würdet ihr es wieder tun?

Experimentierfreudige Grüße, eure Zuzsa

12 thoughts on “Wolle färben … erste Gehversuche mit Roter Beete und Zwiebelschalen

  1. Wowh! Das finde ich grandios. Mit Zwiebelschalen wollte ich auch schon mal färben. Deine Wolle sieht wunderschön aus. Ich freue mich, wenn jetzt so ein richtiges Färbenetzwerk entsteht… Zu meinen bisherigen Erfahrungen wollte ich auch demnächst mal einen Post machen… Am Schönsten fand ich bisher die Rosmarin-Färbung (zart gelb)… LG mila

  2. Das wäre super! Ganz viel ist ja Experimentieren und es würde mich wahnsinnig interessieren mehr über die Erfahrungen von andern zu lesen.

  3. Sehr spannend. Dem Strickwahn verfallen habe ich mir auch schon Gedanken über das Färben gemacht. Bis jetzt war ich über Ostereierfarben noch nicht hinausgekommen:)
    Liebe Grüße,
    Sandra

  4. An Ostereier und Lebensmittelfarben habe ich auch schon gedacht. Letztere liegen im Regal und werden bestimmt bald mal ausprobiert.

  5. Ich habe schon oft Ostereier mit Zwiebelschalen gefärbt 🙂
    Zum Wollefärben experimentieren in letzter Zeit vor allem Australier im Rahmen des #1year1outfit wie thisismoonlight oder handmadebycarolyn und auch die Deutsche ute_ig (Instagram).
    Mit Avocadokernen gibt es hübsche rosa Farben und bei Carolyn experimentiert mit Farn.
    Liebe Grüße, SaSa

  6. Ein spannendes Feld. Das „so natürliche“ wird ja oft im Sinne von das Althergebrachte verwendet und ist in diesem Fall ganz oft alles andere als ökologisch. Es gibt schon ein paar Farben, die auch ohne Beize haltbar und intensiv werden (grüne Walnussschalen fallen mir da als erstes ein) Eine Liste mit ganz vielen Färbepflanzen samt Sammelzeiten findest du z.B. hier:
    http://wollenaturfarben.blogspot.de/2013/05/sammelzeiten-fur-farbepflanzen.html?showComment=1368957853511#c5704304867771030956.
    Ich habe auch schon ein wenig „Küchenfärberei“ betrieben. Dazu verwendete ich Kaffee, Tee, Möhrenkraut, Zwiebelschalen, Kurkuma u.ä. (https://marabunte.wordpress.com/2014/01/10/walnuss-und-zwiebelschalen-mit-gelbwurz-kaffeesatz-und-mohrenkraut/) Mein Prachtstück ist allerdings der pflanzengefärbte Regenbogen aus Wolle, die Jana für mich färbte (https://marabunte.wordpress.com/2014/10/14/janas-pflanzengefarbter-regenbogen/). Da siehst du, was an Farben alles möglich ist.
    Ostereierfarben funktionieren natürlich auch, wirken meines Erachtens aber doch sehr synthetisch – die warmen Pflanzenfarben finde ich sehr viel schöner.
    Herzliche Grüße,
    Malou

  7. Ja, ich bin bei den Lebensmittelfarben auch etwas skeptisch, aber ausprobieren werde ich es wohl trotzdem. Ganz lieben Dank für die vielen Links! Deine Tücher sind ja echt grandios und spornen mich an, noch viel mehr auszuprobieren.

  8. Ich hab mal mit 5 Beutel Schwarztee ein Knäuel weißes Baumwollgarn beige gefärbt. Hat mäßig gut geklappt, zumindest war es hinterher nicht mehr schneeweiß.

    Dass die gelben Zwiebelschalen den roten Rote Beete Ton überlagern find ich interessant. Vielleicht wären sie ohne Zwiebel ja rosa geworden?

    LG, Daniela

  9. Cool! Da hab ich auch Lust drauf und dein Versuch macht mir noch mehr Lust! Hab letztens bei HandmadeByCarolyn wieder was darüber gelesen und die hat dieses mal so richtig schöne Farben gefärbt! Musste dir mal ansehen! 🙂
    Liebe Grüße
    Katharina

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