Farbexperimente: Wollefärben mit Krappwurzel

Wer hier schon ein bisschen länger mitliest, weiß, dass mich ab und an das Verlangen überkommt, Wolle mit einer Reihe färbender Ingredienzien in einen großen Topf zu schmeißen und das Schicksal herauszufordern. Mit mehr oder minder großem Erfolg. Die Idee meine Wolle selber zu färben, geistert mir nach wie vor im Kopf herum. Die Möglichkeit den Farbton komplett selber zu bestimmen und beim Kauf nicht auf mehr oder weniger passende Internetbilder angewiesen zu sein, ist schon verlockend. Zumal ich immer noch auf der Suche nach Wolle im perfekten warmen Rot bin! 

Vor einer Weile hatte ich schon mit Roter Beete und Zwiebelschalen gefärbt und einen ziemlich missglückten Versuch mit Walnussholz (Uringelb ist so eine hübsche Farbe, oder?! 😉 ) unternommen, jetzt wollte ich es nocheinmal ganz professionell angehen und habe mir Alaun zum Beizen der Wolle und Krappwurzel besorgt. 

Um das Alaun bin ich ein bisschen herumgeschlichen. Es gibt viele Bücher, die einem das natürliche Färben ans Herz legen, nur um dann doch Alaun, Kupfersulfat und Eisensulfat zu verwenden. Ganz ohne chemische Beizen hält die Farbe wohl einfach nicht so gut. Mir ist es allerdings wichtig, dass ich (unter Einhaltung von Sicherheitsbestimmungen) in der heimischen Küche färben kann, ohne das die Ganze Aktion sich zu einer Gefahr für Leib, Leben und Umwelt auswächst. Kupferchlorid und Eisensulfat sind bedenklich und fallen deswegen schon mal weg. Alaun (Kaliumaluminiumsulfat) ist in den geringen Mengen, die ich zum Färben brauche nicht giftig. Mit diesem Minimum an Chemie kann ich leben. 

Krapp ist eine traditionelle Färberpflanze. Die Staude könnte man in unseren Breiten im eigenen Garten anpflanzen und die Wurzeln ernten. Kleingehackt und getrocknet kann man sie übers Internet erwerben. Sie riecht im nassen Zustand angenehm wurzelig und ein bisschen nach saurem Früchtetee. 

Das Färben selbst ist eine Geduldsprobe. Gewapnet mit dem „Großen Handbuch Natürlich Färben“ von Eva Lambert und Tracy Kendell (das ich nur bedingt empfehle, da es einen mit mehr Fragen zurück lässt als Antworten), habe ich erstmal nach Anleitung die Wolle gut 2 Stunden in einer Alaun und Weinsteinbeize gekocht, dann Abkühlen lassen und für 3 Tage luftdicht verschlossen in eine Ecke gestellt. Ihr seht, was ich mit Geduldsprobe meine, nach diesen Stunden des Vorbereitens hat man erstmal exakt gar kein sichtbares Ergebnis, obwohl man doch schon total neugierig ist! 

Materialien:

150g Krappwurzel

100g Lacewolle  (96 % Merinowolle, 4 % Poly)

2 Päckchen Weinsteinbackpulver

8g Alaun

Einen Abend vor dem Färbebad habe ich die Krappwurzel eingeweicht und konnte dann am nächsten Tag endlich die Wolle in die Farbe eintauchen und erleichtert aufatmen: es klappt! Die Wolle wurde nicht nur blassrosa wie bei meinen ersten Versuchen, sondern richtig schön Rot. Der Farbton ist sehr schön warm und intensiv und  changiert ein bisschen.  Je nach dem wie gut die Farbe die Fasern erreicht hat, changiert er zwischen hellem karotte und tiefrot.

vorher / nachher Bilder seht ihr in meinem instagram account … 

Mein Fazit: Krappwurzel ist eine sehr dankbare Färberpflanze und Aufwand und nutzen halten sich die Waage und es braucht keine allzu giftigen Substanzen, um einen schönen intensiven und natürlichen Farbton zu erreichen. Jetzt muss ich mir nur noch überlegen, was ich aus 400m Lacewolle stricken werde….

Liebe Grüße, eure Zuzsa

3 thoughts on “Farbexperimente: Wollefärben mit Krappwurzel

  1. Und ich traue mir noch nichtmal zu, Ostereier zu färben…aber sehr spannendes Thema!
    Zumal ich hier noch einige hundert Gramm ungefärbter feinster englischer Wolle habe 😉
    Liebe Grüße,
    Sandra

  2. Die Farbe ist sehr schön! Aus Krapp kriegt man auch gut mehrere Züge hin, also man kann mehrmals in derselben Flotte färben und die Farbe wird dann noch und nach heller. Dann hat man noch mehr von der Farbe. 🙂

    Grüße,
    Daphne

    1. Gut, dass ich die Flotte aufgehoben habe. Ich habe noch etwas Wolle liegen und bin sehr gespannt auf das zweite Farbbad. LG, Zuzsa

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