MeMadeMittwoch in Vogue mit Hindernissen

Spätsommertage sind meine absoluten Lieblingstage. Alles blüht und summt und freut sich des Lebens. Deshalb hat mich diesen Sonntag auch nichts in der Wohnung gehalten und wir sind bei perfektem Wetter durch die Wiesen gestreift. 

Das man sich mittlerweile auch schon wieder in Wollpullover kuscheln kann, stört mich  da wenig. Und so gibt es auch diesen Mittwoch Gestricktes zu sehen. Dieses Mal ein etwas älteres Exemplar aus Malabrigo Rios in Coco, für das es leider keine Strickanleitung gibt, weil ich nach Nase gestrickt habe.

Für den Rock habe ich dagegen einen sehr hübschen älteren Vogue Schnitt ausgegraben. Vogue 8577 fristet schon ziemlich lange ein Schattendasein in meinem Schnittmusterschränkchen und wären nicht Anfang des Jahres ein paar sehr schöne Versionen im Netz aufgetaucht, hätte ich den Schnitt wahrscheinlich auch bald wegen des etwas biederen Covers aussortiert … und damit einen sehr schönen Rockschnitt verpasst!

Der Rock ist mega fluffig und verbraucht noch mehr Stoff als ein Tellerrock, dafür fällt er dann aber auch unnachahmlich und erinnert sehr an Rockschnitte aus den 50er Jahren. Um diesen Anklang noch einmal zu unterstreichen, habe ich ihn in Originallänge gelassen. Absolut verliebt bin ich in die riesigen Taschen, in denen ich nicht nur ein sondern mindestens drei kleine Kängeruhs verstauen könnte …

Genäht, ist das ganze auch ziemlich fix. Hinderlich war nur, dass ich eigentlich ein Kleid aus dem leichten Chambray von Stoff&Stil machen wollte, aber gnadenlos am Oberteil des Vogue Schnittes gescheitert bin. Vielleicht lag es am Stoff, vielleicht an meinen Nähkünsten, aber was ich da fabrizierte, sah nicht im entferntesten nach einem gut sitzenden Oberteil aus und wanderte nach kurzem Rettungsversuch in die Tonne. Das hat mich zumindest erstmal entsprechend misstrauisch gegenüber dem Schnitt gemacht und so werde ich ihn als Rock ganz sicher, als Kleid wohl nie wieder nähen wollen.

Die dekorative Binde ums Handgelenk ist übrigens kein Modeassessiore, sondern Ergebnis eines kleinen Arbeitsunfalls. Glücklicherweise habe ich mir außer einer Schnittverletzung, die genäht werden musste, nichts wesentliches getan, sodass ich sie bald wieder los bin und dann auch bald wieder Stricken darf. Neben allem möglichen, was man sonst so mit der rechen Hand macht, vermisse ich das Stricken ja echt am meisten ;).

Was sonst noch so los ist beim MemadeMittwoch seht ihr im MeMadeMittwochBlog.

Bis bald, eure Zuzsa

MeMadeMittwoch im Wollpullover

Lang war der Sommer und genauso lang meine Blogpause, obwohl ich ganz viel genäht habe, habe ich ganz wenig gezeigt und deshalb auch jede Menge aufzuholen beim MeMadeMittwoch 🙂 …

Passend zum Herbstwetter zeige ich euch heute meine neueste Woll-Liebe aus Qince&Co Chicadee (pomegranate). Ein Garn in das ich mich sofort verliebt habe und dessen Farbe und Struktur ich ziemlich perfekt finde.

Den Pullover mit durchgehendem Horse-Shoe-Muster und runder Passe habe ich nach Nase gestrickt, Pate stand eine Vintage Anleitung aus der Pramo, die ich hier auf Instagram schon mal gezeigt habe. Auf das schicke Mützchen habe ich allerdings verzichtet 😉 …

Ich liebe den Pullover und würde ihn glatt noch einmal stricken, wenn ich nicht gerade tausend Ideen für richtig dicke Winterjacken und Pullover hätte. Irgendwie bin ich dem Wahn verfallen, dass dieser Winter so richtig kalt wird und klappere daher fleißig mit den Stricknadeln.

Kombiniert habe ich den Pullover mit einem Tellerrock aus Cupro. Ein in der Herstellung nicht besonders umweltfreundliches Stück Stöffchen, sodass ich beim Kauf doch sehr gezögert habe. Letztlich hatte mich der herrliche 80er Jahre Wildseidenglanz aber doch zu sehr in seinen Bann geschlagen und das Projekt ging mir nicht mehr aus dem Kopf. Kennt ihr das, das ihr euch trotz besserem Wissens für ein Material entscheidet?

Der Rock hat Taschen bekommen, was derzeit meine liebste Neuerung in Sachen Tellerröcken ist. Dazu habe ich bei einem normalen Tellerrcokschnitt einfach diagonal die Ecken abgeschnitten und Taschenbeutel dazukonstruiert. Wenn es euch interessiert, zeige ich hier gern demnächst mal wie es geht.

Mehr Selbstgenähtes gibt es beim MeMadeMittwoch. Ich freu mich sehr mal wieder dabei zu sein! 🙂

Liebe Grüße, eure Zuzsa

Zuzsa strickt ein Tuch …

Dieses Jahr dachte ich mir – schlaues Eichhörnchen, das ich bin – widme ich meinen Sommerurlaub schon den Herbststrickprojekten. Normalerweise läuft es reflexartig ja eher so: es ist kalt, ich fange an dicke Sachen zu stricken, es ist warm, wenn ich fertig bin … nunja, geht euch wahrscheinlich ähnlich!? 😉

Auf meiner Strickliste stehen dieses Jahr …

Eine kurze, dicke Jacke aus den Modischen Maschen 2/1968 für die ich Drops Alaska aus meinem Vorrat hervorgekramt habe und für die ich mich ins Patentstricken stürze. Auf den ersten Blick liest sich das erstmal etwas verwirrend, aber ich werde mich da schon einfuchsen. Ich plane die Jacke als Übergangsjacke für kältere, aber trockene Herbstage. Das Original ist übrigens in Lila gestrickt, da liege ich mit Bordeauxrot nicht ganz so weit weg, obwohl ich die Jacke vor meinem inneren Auge immer in curry sehe!?!

Das zweite größere Projekt ist ein Tuch. Bisher habe ich alle Tücher (bis auf eines), die ich angefangen habe, wieder aufgeräufelt. Ich bin irgendwie kein Tuchstricker. Frau Nahtzugabe, die selber immer viele tolle Tücher strickt, stellte aber letztens fest, dass ich eigentlich den perfekten Tuch-Kleidungs-Stil habe. Womit sie nicht ganz unrecht hat, denn meine gekauften Tücher trage ich unglaublich gerne. Ich beuge mich also gerne ihrem Rat und nehme mir fest vor ein Tuch (zu Ende) zu stricken. Groß soll es sein, alles andere ist noch ziemlich offen. Kandidaten gibt es genug …

Ich schwanke zwischen Lochmuster (in uni) und Farbstreifen um meine Motivation bei Laune zu halten. Drachenfels ist ja irgendwie ein Klassiker …

 

Oder sollte ich es doch mal mit einem Stephen
West versuchen? Rehgeschwister hatte so eine wundervolle Version von clockwork und auch daybreak gefällt mir ja sehr …

Oder einer Kombination aus Lace und Farbe?

Was meint ihr? Habt ihr Favoriten oder schon mal eins dieser Tücher gestrickt? Ich kann mich einfach nicht entscheiden … Liebe Grüße, Zuzsa

Die Geschichte der Schluppenbluse … nebst einer Leseempehlung für „Stitches in Time“ von Lucy Adlington

Erinnert ihr euch noch an meine Mutmassungen zur Entstehung der Schluppenbluse aka Pussy Bow? Und dass ich euch versprochen habe Informationen nachzuliefern, wenn mir Näheres zur Geschichte der Schluppe unterkommt? Zufällig bin ich vor ein paar Tagen über ein paar Fakten gestolpert, die ich euch nicht vorenthalten möchte…

Als ich meine Schluppenbluse genäht habe – die übrigens ganz entgegen meiner damaligen Absichten und trotz ihrer Beliebtheit in meinem Kleiderschrank noch keinen Nachfolger hat – habe ich ja überlegt, ob die Schluppe, das weibliche Pendant zum Schlips ist und damit ein Versuch sich den Nimbus der Professionalität, den ebenjenes den Männern vorbehaltene Kleidungsstück hat, anzueignen. 

Wie ich jetzt in der übrigens sehr kurzweilig Modegeschichte „Stitches in Time“ von Lucy Adlington nachlesen konnte, lag ich nicht ganz falsch mit dieser Annahme … (Stitches in Time, S.246 – 249)  

Der Schlips in seiner uns bekannten Form entwickelte sich im Laufe des 19. Jahrhunderts aus allen möglichen anderen Formen von Tüchern und Kragen und war ein rein von Männern getragenes Kleidungsstück. Als dann im Zuge der Frauenbewegung sich Frauen das Recht nahmen dieses Kleidungsstück neben HOSEN (oh, mein Gott ;)) und taillierten Kostümen zu tragen, war die Aufregung natürlich groß. Ikonisch wurde der Look so Adlington mit dem Typus des Gibson Girls: weiße Bluse mit Kragen, dunkler Rock und dunkler Schlips. 

Für uns scheinen die Outfits der Gibson Girls ja recht romantisch, zumal sie mir vor allem durch die wunderbaren vogelnestartigen Frisuren in Erinnerung geblieben sind, in ihrer Zeit war ihr Style aber der Versuch durch eine vergleichbar strengere Linie in den weiblichen Bestrebungen nach Bildung, sozialen und politischen Rechten ernst genommen zu werden und definitiv ein Ausdruck von Modernität und einer der Frauenbewegung im Prinzip positiv gegenüber eingestellten Grundhaltung.

Legendär sind die Gibson Girls in den Zeichnungen von Charles Dana. Dort sieht man aber auch sehr schön, dass sich das Bekenntnis zu den Frauenrechten auch sehr schnell zum Modeaccessoire verwischte und mal als  schwarzes Band, als Fliege oder Schluppe auftaucht. In meinem pinterest board habe ich für euch diverse Bilder und Photografien der Zeit zusammen gesammelt …


Welche Abstufung man auch immer wählte, eins zeigte man mit diesem Stil aber doch: Frau war modern auch in ihren politischen Ansichten. Tücher und Bänder machten den Stil im Gegensatz zum Schlips vermutlich nicht ganz so steif und maskulin und rückten einen ganz bewusst auch ein ganzes Stück ab von den Hardlinern der Frauenbewegung, den Suffragetten, die für ihre Überzeugungen demonstrierend auf die Straße ginge.

Schluppen und Schleifen setzten sich dann vor allem in den 30er und 40er Jahren fort, auch wenn einem vereinzelt schlipstragende Damen wie Marlene Dietrich über den Weg liefen. In den 70ern griff Margaret Thatcher diesen Stil sehr wohlüberlegt auf: sie kombinierte relativ einfache, gut sitzende Schnitte mit dem Pussy Bow und schaffte damit eine gut kalkulierte Gradwanderung zwischen professioneller Strenge, aber nicht zu männlichem Auftreten. In der Businesskeidung wurde dieser Trick ja gerne kompiert. Nichtsdestotrotz schafft es die Pussy Bow aber nicht, den gleichen Grad an Gravität zu gewinnen wie der männliche Schlips. Dazu hat die Schluppe zu sehr das Image von niedlich, hübsch und dekorativ.

Leseempfehlung: Auf jeden Fall ist Lucy Adlingtons Buch ein sehr kurzweiliges Stück Modegeschichte und auch als Urlaubslektüre oder für zwischendurch sehr zu empfehlen. Ich lege es immer mal wieder zur Seite und greife es wieder auf und fühle mich immer gut unterhalten. In dem Buch geht es um die Geschichte unserer (europäischen) Kleidung und zwar ziemlich umfassend vom Schlüpfer bis zum Schlips. Das das bei einigen Tausend Jahren Entwicklung manchmal ein bisschen kursorisch ist, ist klar, aber nie langweilig und ein toller Einstieg in die Modegeschichte. Das einzige Manko: Leider scheint es keine deutsche Übersetzung zu geben und manchmal ist mir das Buch dann doch etwas sparsam bebildert. Aber auch das ist irgendwie klar, handelt es sich ja um ein Taschenbuch und Bilder sind teuer im Druck. Dafür gibt es ja dann ganz hervorragende coffeetable Bücher in denen man Illustrationen nachblättern kann oder die pinterest Bildersuche. 😉 Wenn man sich ein bisschen mit Vintage Mode auskennt, hat man aber zu vielem sowieso ein Bild im Kopf.

Falls ihr weitere gute Mode-Sach- und / oder Bilderbücher empfehlen könnt, habe ich ein offenes Ohr für euch und würde mich über eure Kommentare sehr freuen! 🙂

Viele Grüße, Eure Zuzsa

 

 

Kimono und neuer Jeansrock

Für den Sommer brauchte ich eine Reihe praktischer Oberteile und Röcke … ich weiß auch immer nicht wohin meine Shirts im Winter verschwinden, aber jeden Sommer stehe ich da … und habe NICHTS anzuziehen. Ich übertreibe hier ein klitzekleines biiiiischen, aber ihr könnt das Gefühl bestimmt nachvollziehen. Gefühlt, kommt bei mir nichts so schnell aus der Mode wie Shirts. Während ich Röcke und Kleider bis zum Auseinanderfallen trage, habe ich das ultimative Shirt noch nicht gefunden und so beginnt jeden Sommer, dann wenn es eigentlich schon heiß und somit zu spät ist, eine Nähorgie und die Suche nach dem heiligen Gral. Darum geht es aber heute gar nicht …

Ein Teil, dass bei mir bisher nicht aus der Mode gekommen ist und das ich ziemlich praktisch finde, ist mein Kimono. Den liebe ich heiß und innig! Und da meine Lieblingsvariante aus Patchworkbaumwolle und damit ein klitzekleines bisschen zu warm ist, musste eine Sommervariante her.

Der Viskosedruck von Stoff&Stil bettelte quasi darum ein Kimono zu werden. Oder eigentlich mehr eine Kimonobluse oder Überwurf? …

Er ist in einer Art Bordüre gedruckt, will heißen: alle Blümchen drängeln sich auf der linken Stoffhälfte während sie auf der rechten langsam ins schwarze Nichts ausblenden. Ich habe die ganze rechte Länge von 1,50 m für Vorder-und Rückenteile verwendet, um den Fade-Effekt in meinen Kimono einzubauen. Aus der restlichen Stoffhälfte habe ich die Ärmel gezaubert.

Supereinfach und superschnell an einem Abend genäht, weil das ganze eigentlich nur aus ein paar Rechtecken besteht. Schaut mal hier in mein Tutorial, falls ihr Inspiration zum Nähen eines Kimonos sucht. Ich habe ihn diesmal etwas vereinfacht und die Blende geich mit angeschnitten. 

Im Gegensatz zum Shirt-Phänomen weiß ich aber immerhin, wo all meine schmalen Röcke geblieben sind. Sie sind entweder dem Fahrrad zum Opfer gefallen und am Schlitz gerissen oder der Waschmaschine, die meinen Stretchrock auf geheimnisvolle Weise geschrumpft hat. Somit musste mal wieder ein Basisrock her. Aus unstretchigem Jeans und wie immer nach Simplicity 7434.  Ich vermute stark, es ist nicht der letzte dieses Jahr.

Bald gibt es weitere Ergebnisse der Nähorgie zu sehen. Und dann wirklich Shirts! 😉 Bis dahin, eure Zuzsa