Der Frohne Schnittzeichner

Schnittsysteme Teil 2

short translation: this article is about a system to draw your own pattern, which was popular in the 1930s to 1970s : the Frohne pattern maker. If you buy a Frohne pattern magazine you will receive a very tiny schematic pattern.  By using the pattern maker you can draw this pattern in every size you want.


Dieses merkwürdige Gerät, dass ihr auf dem Foto seht, dient tatsächlich der Schneiderei. Es ist der sogenannte „Storchenschnabel“, „Pantograph“ oder eben Schnittzeichner von Frohne. Ohne ihn geht bei den Frohne Schnitten gar nichts, denn sie werden als kleine Schemata geliefert und nur mit dem Schnittzeichner kann sie die gewitzte Schneiderin  vergrößern.

 

Wie funktionieren Frohne Schnitte? Eine kleine Anleitung

Wie gesagt, wenn man es mit einem Frohne Schnitt zu tun hat, hält man erst einmal solch eine Grafik in der Hand.


Wenn man seine Oberweite schon weiß, stellt man den Wert auf den drei Beinen des Schnittzeichners ein.  Die Metallrädchen dienen dazu die Beinchen in der gewünschten Position zu befestigen. Ansonsten muss man erstmal messen.

Dann braucht man ein GROSSES Stück Papier. Ich empfehle eine große Bahn Packpapier, die man auf dem Boden oder Tisch festklebt. Ihr werdet überrascht sein, wie weit und in welche Ecken sich die Beinchen des Schnittzeichners beim Abnehmen des Schnittes dehnen werden, deshalb kann das Papier, auf das ihr euren Schnitt vzeichnen wollt, eigentlich gar nicht groß genug sein.

Das Schnittmuster wird durch Abtasten mit dem Schnittzeichner übhertragen. Dazu ruhen Fuß und Abtastnadel fest auf dem kleinen Papierschnitt, während der einzelne Arm mit dem Bleistift, den man in die dortige Hülse stecken kann, bewegt wird.


Das Schnittmuster (oder, wenn man das alte Schnittmusterheft nicht auseinandernehmen möchte: eine getreue Kopie desselben) klebt man ebenfalls am Boden oder Tisch fest. Die beste Position im Verhältnis zum Papier – schließlich soll das Schnittmuster ja AUF unserem Papierbogen landen – ermittelt man am geeignetsten durch Ausprobieren. Bei großen Schnittteilen kann das durchaus kniffelig werden.

Wo man den Fuß des Schnittzeichners positioniert, scheint auch eine Wissenschaft für sich zu sein, jedenfalls sind diesem Thema im Anleitungsheft, das eurem Schnittzeichner beiliegen sollte, 8 lange Seiten mit Fallbeispielen gewidmet. Als Grundregel gilt: den Fuß 1 cm vom Schnittmuster entfernt oder auf einen Stoffbruch setzen und immer so, dass das Schnittmuster nach rechts liegt. Das Schnittmuster wird merkwürdig verzerrt, wenn man darauf nicht achtet.


Zum Zeichnen des Schnittmusters drückt man mit dem Daumen der rechten Hand den Fuß fest auf  einen Punkt und bewegt mit der linken Hand das Schnittmusterbein mit dem Bleisift. Dabei sollte euer Blick eher der Abtastnadel als  dem Bleistift folgen. Denn diese Abtastnadel führt ihr, immer von links kommend, über die Punkte des Schnittmusters. Bei jedem Punkt macht ihr mit eurem Bleisiftbein einen Punkt auf dem Papierbogen. Am besten ein bisschen hin- und herruckeln, damit man später auch was sieht. Es ist nicht notwendig Linien mit dem Schnittzeichner zu zeichnen!

Habt ihr alle Punkte übertragen, verbindet ihr sie nach Vorbild des kleinen Schnittmusters. Lineal und Kurvenlineale sind da sehr praktische Helfer.  Et voilá! fertig ist euer Frohne Maßschnitt.

 

Meine Einschätzung

Wenn man erstmal weiß, wie man den Schnittzeichner am besten positioniert und übers Blatt bewegt, ist das System in der Handhabung eigentlich recht einfach. Und das man wirklich jeden Schnitt in jeder Größe zeichnen kann, ist für Vintage Schnitte echt unschlagbar.


Allerdings vermute ich, das das System beim Übertragen recht fehleranfällig ist. Achtet darauf, dass euch der Fuß beim Zeichnen nicht verrutscht und lest euch genau die Positionierungsanweisungen von Frohne durch. Das kleine Schnittmuster sollte, so meine Erfahrung,  immer hochkant liegen. Und wie oben schon gesagt, wenn der Fuß falsch steht, kann das Schnittmuster merkwürdig verzogen auf eurem Blatt erscheinen. Ist mir am Anfang auch passiert. Wenn euch etwas merkwürdig vorkommt, zeichnet das Schnittteil lieber aus einer anderen Position noch einmal.

Aus all diesen Gründen empfehle ich den Schnittzeichner nur solchen Näherinnen, die bereits ein wenig Erfahrung mit herkömmlichen Schnittmustern gesammelt haben.

Die Modelle in den Frohne-Heften sind übrigens wunderschön. Ich kenne bisher nur Hefte aus den Sechziger Jahren und von denen bin ich begeistert! Wunderschöne mädchenhafte Modelle mit spannenden Detaillösungen. Es gibt das Schnittsystem seit den 30er Jahren. Die Hefte erschienen, soweit ich weiß, bis in die Siebziger Jahre.

 

Der Praxistest

Und damit ihr nicht denkt, ich erzähle euch hier irgendwelche Märchen, mache ich im Blog den Praxistest. Das Schnittmuster, dass ich auf den Fotos erstellt habe,  gehört zu einem gaaaanz einfachen Rock. Ein Zweibahnen-Rock mit Bündchen aus einem Sechziger Jahre Heft von Frohne.


Es ist der zweite Frohne-Schnitt, den ich nähe und ich habe, – da ich wie gesagt, so meine Bedenken hinsichtlich der Fehlertoleranz des Schnittzeichners habe –  mit supereinfachen Schnitten begonnen. Da kann ich einschätzen, ob das fabrizierte Schnittmuster so ungefähr hinhaut oder nicht. Ich plane aber auf jeden Fall, auch die Umsetzung eines detailreicheren Schnittes und auch darüber soll zu gegebener Zeit hier im Blog berichtet werden. Ich lasse mich ja gerne von diesem kleinen, praktischen Frohne-Nähwunderwerk überzeugen!!!

Fürs erste vertröste ich euch aber auf die kommenden Tage und den Rock zum Schnitt. (Ist ja auch lang genug geworden dieser Post!) Habt ihr selber schon mit dem Frohne-System gearbeitet? Ich fände es super spannend, von euren Erfahrungen zu hören!!!

Eure Zuzsa

 

9 thoughts on “Der Frohne Schnittzeichner

  1. Ich erarbeite auch gerade den ersten Schnitt damit. Allerdings einen von 1942. Ich habe von einigen Teilen zwei mal einen Schnitt auf Packpapier angefertigt weil ich dachte, dass dieses Sytem ganz schön fehleranfällig ist. Aber komischerweise waren die Schnittteile dann fast deckungsgleich 😉
    Der nächste Schritt wird das Anfertigen des Modells aus Nesselstoff sein. Ich hoffe, ich schaffe das in den nächsten Ferien 😉 Auf die Passform bin ich dann echt mal gespannt! Kann mir gar nicht vorstellen, dass das nur mit dem Maß der Oberweite auf Anhieb ohne Korrekturen hinhaut 😛
    Wie du habe auch ich vor, dann einen kleinen Erfahrungsbericht auf meine Seite zu stellen.

    Viele Grüße
    Lyyli

  2. Beim ersten Mal habe ich es geschafft, wirklich zwei ganz unterschiedliche Schnitteile zu fabrizieren. Aber da stand der Fuß eindeutig verkehrt.
    Und nicht ganz geheuer sind mir immer noch die kleinen Teile, Gürtel, Taschen und sowas – da drehen sich die Kurven manchmal mysteriöser Weise einfach um, aus konvex wird konkav und andersrum. Aber ich gebe auch zu, dass ich immer erst die Anleitung lese, NACHDEM ich einen Fehler gemacht hab. Hüstl. Es besteht also noch Hoffnung. 🙂

    Meine Nähprojekte stocken derzeit leider auch ein bisschen. Aber ich hoffe sehr, dass ich bald wieder zum Nähen komme!

    Viele Grüße, Zuzsa

  3. Habe das Gerät, aber keine Hefte mehr. Diese wurden vor vielen Jahren beim Umzug entsorgt. Mist! Gibt es eine Firma, die dieses System noch verwendet?

    Grüße, Maria

  4. Hallo Maria,
    meines Wissens nach hat Frohne seine Produktion in den 70er Jahren eingestellt. Du müsstest dich also auf die Jagd nach alten Heften begeben, wenn man du das System reaktivieren willst.
    Ich habe ab und an welche im Shop, aber derzeit sind sie leider alle ausverkauft.
    Viel Erfolg bei der Jagd, wünscht Zuzsa

  5. Ich bin begeistert von deiner, eindrucksvolen Beschreibung!
    Großes Kompliment!
    Ich habe in meinen Shop auch diesen Schnittzeichner und auf deine Seite in der Beschreibung hingewiesen. Wenn du das nicht möchtes werde ich diesen hinweis sofort entfernen ….
    Liebe Grüße
    Susi

  6. Danke für die Lorbeeren 🙂 Du kannst die Beschreibung gern verlinken.

    Allerdings … das Geschriebene ist graue Theorie. Ich bin immer noch nicht wirklich überzeugt von der Genauigkeit des Systems. Mir persönlich sind die Schnitte, die herauskommen zu ungenau, aber vielleicht bin ich auch einfach zu ungeduldig für solcherlei Schnittsysteme.

    Ich würd mich ja immer noch über Erfahrungsberichte von anderen Schneiderinnen freuen …

    Viele Grüße, Zuzsa

  7. Endlich habe ich meinen Frohne Schnittzeichner auch ausführlich getestet und kann meine persönliche Erfahrung hier noch anhängen 🙂
    Ich hatte bisher schon einen Mantel mit dem Schnittsystem angefertigt. Der hatte auf Anhieb ziemlich gut gepasst. Jetzt habe ich nochmal ein Kleid ausprobiert und das Probeteil ist soweit auch ganz gut geworden.
    Insgesamt komme ich aber zu ähnlichen Ergebnissen wie du. Das System funktioniert, ist aber bei der Übertragung recht ungenau und es muss einiges am Schnitt kontrolliert und nachgebssert werden. Jemand ohne Erfahrung im Umgang mit Schnitten wird sich warscheinlich schwer tun. Und es gibt eben keine Nähanleitungen. Gerade bei komplexeren Sachen ist also auch Näherfahrung von Vorteil.

    Als Tip kann ich vielleicht noch geben, sich die Position des Fußes vor dem Abtasten des Schnittes zu markieren (ich umfahre den Fuß mit einem Bleistift). So gibt es wenigstens einen groben Anhaltspunkt, falls der Fuß verrutscht und man muss nicht ganz neu beginnen.
    Insgesamt gefällt mir das System aber und ich werde bestimmt noch mehr damit arbeiten.

    Viele Grüße!
    Caroline

  8. Zwei linke Hände ?!? Hast du doch gar nicht … ich habe schon sehr schöne Näharbeiten hier gesehen 🙂
    Und die Abweichungen am Schnitt liegen bestimmt nicht an dir. Ich bin mir fast sicher, es ist der Schnittzeichner der die Ungenauigkeit verursacht. Selbst wenn der Fuß während der Übertragung gut positioniert ist, dann liegt es vielleicht doch eher an den wackeligen Armen.

    Und lieben Dank auch für’s verlinken. Ich freue mich 🙂

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